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Duhr, Franz Aloys Walther Friedrich Ludwig / 1886-1961

Geburtsdatum19.04.1886
GeburtsortBrauneberg
Sterbedatum24.01.1961
SterbeortBirtlingen-Hungerburg
FachgebietePolitiker und historische Persönlichkeiten
Biogramm Herkunft: Sohn des Kaufmanns Franz Aloys Wilhelm Duhr (katholisch) und der Christina Duhr geb. Conrad (evangelisch). - Familienstand: verheiratet seit 2.6.1924 (München) mit Elisabeth von der Pfordten (Tochter des beim Hitlerputsch 1923 an der Feldherrnhalle getöteten Landgerichtsrats Theodor von der Pfordten, fanatische Anhängerin Hitlers) [[Anm.: Landeshauptarchiv Koblenz Best. 856 Nr. 70704, Bl. 22]], 1 Sohn. - Religion: k.A. - Ausbildung: 1896-1902 Gymnasium. - Beruf: Kaufmann und Fabrikant (ab 1910 alleiniger Inhaber der Firma Duhr-Conrad-Fehres, Weingroßhandlung in Trier; Haupteigentümer der Saar-Sektkellerei Duhr KG; seit 1938 Teilhaber der "arisierten" Firma Insel-Textilhaus, ehemals Hermann Haas, in Trier); seit 1917 selbständiger Landwirt auf dem Gut Hungerberg (Gde. Birtlingen), größter landwirtschaftlicher Betrieb im Kreis Bitburg; kauft 1926 auch den Altenhof (Gde. Bettingen); 1933-1934 Mitglied des Kreistags und Kreisausschusses in Bitburg; 1933-1.4.1943 Präsident der IHK Trier. NSDAP: 1.5.1932 Eintritt in die NSDAP (wegen der Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft) als landwirtschaftlicher Fachberater; 1933-Aug 1934 kommissarischer Kreisleiter von Bitburg, bereits im Mai 1934 mündliche Niederlegung des Amtes bei Gauleiter Simon. Der "Röhm-Putsch" am 30.6.1934 veranlasst ihn zur Einstellung jeder politischen Arbeit für die NSDAP. Sein Nachfolger Ernst Diedenhofen entfernt ihn aus dem Kreistag und Kreisausschuss, seine Eigenjagd wird beschnitten, seine Frischmilchablieferung nach Trier wird verweigert, weswegen er auf Ackerbau umstellen muss. Ende 1939 wird Duhr mit den beiden Geschäftsführern des Insel-Textilhauses wegen Nichteinzahlung in die Pensionskasse des Betriebes auf Betreiben der DAF für kurze Zeit von der Gestapo verhaftet, jedoch gegen das Versprechen einer sofortigen Einzahlung von 80.000 RM wieder auf freien Fuß gesetzt, da der Trierer Kreisleiter Albert Müller eine Schädigung des Parteiansehens durch diesen Fall befürchtet. Die von Duhr versprochene Zuwendung (laut Satzung der Pensionskasse ohnehin freiwillig) erfolgt dann doch nicht. 17.8.1943 Parteiausschluss wegen "defätistischer und zersetzender Äußerungen." Deswegen am 16.9.1943 Schutzhaftbefehl der Gestapo Berlin gegen Duhr, Festnahme auch seines 18-jährigen Sohnes Franz (sechsmonatige Zwangsarbeit in den Glöckner-Werken in Quint bei Trier, danach Einziehung zur Luftwaffe). Ein Gnadengesuch, das seine Ehefrau am 6.9.1943 an Emmy Göring richtet, wird am 28.9. von der Kanzlei Hitlers abgelehnt. Duhr sitzt Aug. 1943-Feb. 1944 in Trier und in Berlin-Moabit im Gefängnis (Nervenschock mit Fußlähmung während der dortigen Bombenangriffe). Im Prozess vor dem Volksgerichtshof entgeht er nur knapp der Todesstrafe, da er bestreitet und der Belastungszeuge Dr. Reichertz aus Speicher wegen einer begangenen Wehrpassfälschung als unglaubwürdig angesehen wird (er hatte sich selbst das EK I von 1914 zuerkannt, Duhrs Rechtsanwälte fanden dies heraus und verwerteten es vor Gericht). Er bleibt aber im Visier der Gestapo. Nachkriegszeit: Im April 1946 von der französischen Militärregierung im Zuge einer allgemeinen Aktion gegen die alten Amtsleiter der NSDAP vom Ortsgruppenleiter aufwärts verhaftet und im Gefängnis Wittlich inhaftiert, aber nach kurzer Zeit wieder freigelassen; 7.5.1947 Urteil der Wirtschaftsbereinigungskommission des Kreises Bitburg: Ausweisung aus dem Kreis Bitburg und Einziehung seines gesamten dortigen Vermögens; 14.1.1948 Urteil der Wirtschaftsbereinigungskommission des Bezirks Trier: Bereicherung an jüdischem Vermögen; 4.5.1948 Säuberungsvorschlag des Untersuchungsausschusses Bitburg: Belasteter, Einziehung seines gesamten Vermögens im Kreis Bitburg (zwei der sechs Beisitzer unterschreiben nicht, da ihnen der Vorschlag zu hart erscheint); Restitutionsverfahren gegen Duhr wegen der Erwerbung des jüdischen Kaufhauses Haas 1938 vor dem Landgericht Trier (Urteil vom 22.12.1948) und vor dem Oberlandesgericht Koblenz (Urteil vom 24.1.1950); 19.7.1950 Säuberungsurteil der Spruchkammer Koblenz: Nichtschuldiger; Widerspruch des Landeskommissars für die politische Säuberung vom 12.10.1950 (wegen des Restitutionsverfahrens gegen Duhr) am 22.3.1951 von der Spruchkammer als unbegründet zurückgewiesen. Duhr gab sein jährliches Einkommen für die Jahre 1938 bis 1944 zwischen 400.000 und (1940) 683.000 RM an, aber auch den Verlust des Jahres 1945 mit 325.000 RM. --- [Daten übernommen aus: Maier, Franz: Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz. Mainz [u.a.] : Verlag v. Hase & Koehler, 2007. (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz ; 28)]
Quellen
  • Landeshauptarchiv Koblenz Best. 856 Nr. 70704. - Dorfey, Beate: "Goldfasane" oder Hoheitsträger der Kreise? Die Kreisleiter im Gau Koblenz-Trier, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 29, 2003, S. 297-424. -
GND-Nr. 1051183065
Zitierlink http://www.rppd-rlp.de/pkc0072
Zuletzt bearbeitet:30.06.2009
Weitere Informationen:
Gemeinsame Normdatei
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