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Heiliger, Edgar / 1887-1957

Geburtsdatum18.10.1887
GeburtsortGent
Sterbedatum22.03.1957
SterbeortNeuwied
FachgebietePolitiker und historische Persönlichkeiten
Biogramm Herkunft: Sohn des Fritz Heiliger. - Familienstand: verheiratet mit Elisabeth Joosten (praktizierende Katholikin), keine Kinder. - Religion: evangelisch, Kirchenaustritt 1944 (angeblich aus Verärgerung über eine Verdoppelung der Kirchensteuer). [[Anm.: Landeshauptarchiv Koblenz Best. 856 Nr. 160786, Bl. 136]]. - Ausbildung: Schule in Ostflandern bis 1903, dann Gymnasium in Andernach bis Obersekunda (kommt nach Deutschland, da sein Vater Direktor eines Andernacher Betriebs wird). - Beruf: ab ca. 1905 Tätigkeit als Dreher und Schlosser in England; Studium an der Universität Brüssel, anschließend bis 1914 Tätigkeit als Geschäftsführer in England; 2.8.1914-30.11.1918 Teilnahme am 1. Weltkrieg als Soldat im deutschen Heer (dadurch Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit), dann Rückkehr nach Andernach zu seiner Mutter; 1919 für drei Jahre Dolmetscher für die amerikanische Besatzungsbehörde, dann Versicherungsvertreter; ab 1929 Stadtverordneter von Andernach, Verkehrsdezernent, außerdem Generalvertreter einer Versicherung und Vorsitzender des Verbandes der gewerblichen Wirtschaft in Andernach; 1932-1933 Erster Beigeordneter in Andernach, Kreistagsabgeordneter und Kreisausschussmitglied des Kreises Mayen; 14.4.1933-31.7.1934 Bürgermeister der Stadt Mayen; 20.11.1933-12.3.1945 Landrat von Mayen (bis 31.7.1934 kommissarisch); 1933-1945 Kreisführer des Roten Kreuzes. NSDAP: vor 1931 Mitglied der Bürgerpartei (später auch "Volksblock" genannt), DNVP und des Stahlhelm; 1.7.1931 Eintritt in die NSDAP (Nr. 576972), Ortsgruppenführer von Andernach; 1.7.1931-6.3.1945 Kreisleiter von Mayen, Kreiskommunalfachberater; 1931 Gaufachberater für den Mittelstand des Gaus Koblenz-Trier; 1932 Versuche von SA und SS, ihn als Kreisleiter abzusetzen, da ihm vorgeworfen wird, ein "Reaktionär" zu sein; Feb. 1935 Heiliger lässt den mit ihm verfeindeten SS-Führer Anton Fröhlig aus Andernach in die dortige Heil- und Pflegeanstalt einweisen; dieser wird Ende März 1935 wieder entlassen, nach dem er als "nicht völlig unzurechnungsfähig" begutachtet worden ist; [[Anm.: Ebd. Bl. 233]] 1939 vorübergehende Einsetzung eines anderen Kreisleiters in Mayen durch die Gauleitung, was aber rückgängig gemacht wird, als Heiliger mit seinem Rücktritt als Landrat droht; [[Anm.: Ebd. Bl. 137]] 27.5.1940 Heiliger veranlasst auf Befehl Hermann Görings die Verhaftung der katholischen Pfarrer Johannes Schulz von Nickenich und Josef Zilliken von Wassenach, nachdem diese auf der Terrasse des Hotels Waldfrieden am Laacher See Göring nicht gegrüßt hatten (die beiden Pfarrer sterben 1942 im KZ Dachau); [[Anm.: Ebd. Bl. 235; zu den Pfarrern Schulz und Zilliken vgl. Moll, S. 577-580 und 584-587]] 6.3.1945 Enthebung seines Amtes als Kreisleiter durch den Gauleiter Simon (nach eigener Darstellung u.a. weil er keine Liste der zu verhaftenden Gegner des Nazi-Regimes eingereicht hatte; angeblich hatte ihn schon vorher Gauinspekteur Ackermann mit Einweisung ins KZ bedroht, nachdem er in einer Rede einen für Deutschland ungünstigen Kriegsverlauf angedeutet und gewisse Anordnungen nicht ausgeführt hatte; verhindert den Einsatz des Volkssturms in Mayen). 8.3.1945: Heiliger befiehlt angeblich (einen Tag vor dem Einmarsch der Amerikaner) die Erschießung des Andernacher Kaufmanns Jakob Scherhag, da dieser angesichts einer Kolonne von Nationalsozialisten (mit Heiliger) geäußert hatte, es sei "fünf vor zwölf, die braunen Horden ziehen aus" (von Heiliger geleugnet; die Erschießung Scherhags unterbleibt). Nachkriegszeit: Heiliger wird bei seiner Rückkehr nach Mayen, wo er sich stellt, sofort von den Amerikanern festgenommen, in einem Wagen durch die Stadt gefahren und muss sich dann zur allgemeinen Besichtigung in das Schaufenster des Amtssitzes des amerikanischen Kreisdelegierten setzen; kommt danach ins Krankenhaus Niedermendig; 29.5.1945-23.11.1948 Internierung in Idar-Oberstein und Diez, danach wohnhaft im Kloster des Johannesbundes (Christkönigshaus) in Leutesdorf (macht dort Übersetzungen für die Schwestern); 12.12.1949 Säuberungsurteil der Spruchkammer I Koblenz: Minderbelasteter, 3 Jahre Bewährung; 3.11.1950 Säuberungsurteil der Rechtsmittelabteilung der Spruchkammer Koblenz: Belasteter, 2 Jahre Internierungshaft (bereits abgegolten); Ruhegehalt von 120 DM monatlich, durch Gnadenerweis des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Altmeier vom 11.9.1951 auf 200 DM erhöht. Heiliger galt als "ausgezeichneter Verwaltungsbeamter" mit Interesse an Kunst und französischer Literatur. Er ließ keine Kirchen und Klöster schließen, verhinderte 1938 das Judenpogrom in Mayen und zögerte die Deportation der Juden lange hinaus. Andererseits sollen bei seinem Amtsantritt im Landratsamt Mayen 1933 die dortigen Kruzifixe in der Zentralheizung verbrannt worden sein. Er soll während des Krieges zusammen mit seiner Frau lange Zeit im Hotel Reuter am Laacher See gewohnt, dort ein "schwelgerisches Leben" geführt, Schulden von 1600 RM zurückgelassen und 1945 bei seiner Flucht auf das rechte Rheinufer eine Million RM mitgenommen haben. [[Anm.: Karl Wind, Andernacher Kriegschronik, Stadtmuseum Andernach o. Sign., zum 27.4.1945]]. --- [Daten übernommen aus: Maier, Franz: Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz. Mainz [u.a.] : Verlag v. Hase & Koehler, 2007. (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz ; 28)]
Quellen
  • Bundesarchiv Best. PK/E 76 Heiliger, Best. NS 22 Nr. 1056. - Landeshauptarchiv Koblenz Best. 856 Nr. 160786. - Stadtmuseum Andernach 1939-1945. Das Kriegstagebuch von Karl Wind, Bd. 1: September 1939 bis Dezember 1942, bearb. von Winfried Fischer u. a., Andernach 2003. - Dorfey, Beate: "Goldfasane" oder Hoheitsträger der Kreise? Die Kreisleiter im Gau Koblenz-Trier, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 29, 2003, S. 297-424. -
GND-Nr. 1051183863
Zitierlink http://www.rppd-rlp.de/pkc0123
Zuletzt bearbeitet:30.06.2009
Weitere Informationen:
Gemeinsame Normdatei
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