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Venter, Karl August / 1899-1974

Geburtsdatum10.11.1899
GeburtsortDesloch
Sterbedatum04.07.1974
SterbeortAltenkirchen (Westerwald)
FachgebietePolitiker und historische Persönlichkeiten
Biogramm Herkunft: Sohn des Landwirts Philipp August Venter. - Familienstand: verheiratet nach 1934 mit Margarethe Ochsenfeld, Tochter des Kaufmanns und Gastwirts Julius Ochsenfeld aus Pracht (Kr. Altenkirchen), 3 Kinder. - Religion: evangelisch. - Beruf: Landwirt, bis 22.10.1934 Mitarbeit auf dem landwirtschaftlichen Hof der Eltern; [[Anm.: Venter deutet 1938 an, dass er in der "Kampfzeit" "einen Erbhof verspielt habe" (Landeshauptarchiv Koblenz Best. 856 Nr. 21130, Bl. 87)]] seit 1934 Landwirt in Betzdorf, Mitglied des Landesbauernrats und des Reichsbauernrats; April 1938 erfolglos zum Reichstag vorgeschlagen. NSDAP: 1927 durch den Rechtsanwalt Albert mit den Ideen des Nationalsozialismus bekanntgeworden; 1.11.1929 Eintritt in die NSDAP (Nr. 190678); 1.11.1929-1931 SA (zuletzt Sturmführer); 1929-1943 Gauredner; 1933-1934 stellvertretender Kreisleiter von Kreuznach; 16.10.1934-26.3.1945 Kreisleiter von Altenkirchen (Sitz in Betzdorf); 27.3.1939 auf Antrag Bormanns (Stabsleiter des Führer-Stellvertreters Heß) Voruntersuchung des Gaugerichts im Auftrag des Obersten Parteigerichts gegen Venter wegen Unregelmäßigkeiten bei "Arisierungsgeschäften"; [[Anm.: Der Beauftragte des Reichsschatzmeisters für Revisionsangelegenheiten für den Gau Koblenz-Trier, Singerhoff, hatte festgestellt, dass Venter sich nach dem Judenpogrom vom November 1938 in die Abwicklung von "Arisierungsgeschäften" eingeschaltet und dabei für die Kreisleitung Altenkirchen 44132 RM an Barbeträgen und 5000 RM an Wertpapieren sichergestellt hatte; darüber hinaus waren auf seine Veranlassung notariell abgefasste vollstreckbare Schuldurkunden zugunsten der Kreisleitung in Höhe von 117930 RM erstellt worden. Die Gelder mussten auf Anweisung der Reichsleitung vom 13.4.1939 an das Reichswirtschaftsministerium überwiesen werden. Als Singerhoff im Oktober 1939 den Untersuchungsbericht des Gaugerichts einsehen wollte, wurde ihm dies von der Gauleitung "im Hinblick auf die Besonderheit des Falles" verwehrt (Bundesarchiv Best. OPG/J 61 Venter, PK/S 22 Venter)]] 31.5.1939 Mitteilung des OPG an Bormann, dass es "bei Berücksichtigung der unklaren Verhältnisse nach dem 10. November 1938" für ein Verfahren gegen Venter keinen Anlass sieht; es handelte sich "lediglich um von ihm vorgenommene einstweilige Maßnahmen, die den Zweck erfüllen sollten, Bereicherungen einzelner Volksgenossen an den Arisierungen zu vermeiden"; 8.8.1940-15.4.1942 Kreisleiter von Diekirch (Luxemburg). Nachkriegszeit: stellt sich nach Rückkehr von der italienischen Front am 16.6.1945 dem amerikanischen Kommandanten in Altenkirchen und wird ins Interniertenlager Algenroth bei Idar-Oberstein eingeliefert, nach dessen Auflösung am 22.2.1946 nach Diez überführt; 6.12.1946-26.5.1947 Haft in Germersheim, Verfahren vor dem französischen Militärgericht in Rastatt wegen Tötung von Ostarbeiterinnen (Beschuldigung unbegründet); 10.9.1947-30.8.1951 im Gewahrsam der luxemburgischen Regierung in Lagern und Gefängnissen; 10.10.1950 Urteil des luxemburgischen Gerichtshofes für Kriegsverbrechen: 10 Jahre Zwangsarbeit (das Urteil stützte sich nach Venters Meinung auf "21 Meineide und 18 Urkundenfälschungen"); Säuberungsverfahren erst 1952 auf Veranlassung des Sozialministers Junglas (auf Hinweis von Dr. Wuermeling MdB und Dr. Kleberg vom Bundesministerium für Vertriebene) eingeleitet; 12.8.1952 Säuberungsspruch der Spruchkammer Koblenz: Belasteter; Vorwürfe: Judenpogrom 1938 in Hamm und Altenkirchen, Synagogenbrand in Hamm (Kr. Altenkirchen), Demolierung des Geschäfts des Juden Leo Abraham in Altenkirchen, Brutalität und Terror des Betroffenen bei Schanzarbeiten am Westwall 1944 in Nittel und als Leiter des "Abschnitts Wilsecker", Strafkompanie ("Bewährungshundertschaft") Venters am Westwall in der Ruine Kyllburg, Missbrauch von unrichtigen Steuermessbescheiden zu politischen Zwecken; Peter Düber in Sassenroth hatte am 22.2.1944 einen abgeschossenen amerikanischen Flieger mit in sein Haus genommen und ihn dort bewirtet, wurde von Venter dafür bis zum 6.3.1944 im Gerichtsgefängnis Altenkirchen inhaftiert; seit 20.8.1952 Versicherungsvertreter (Bezirksvertreter der Colonia, 1954 der Nordstern-Versicherungs-AG) in Hausweiler (Kr. Birkenfeld); 16.10.1952 Urteil des Landgerichts Koblenz: ein Jahr Zuchthaus wegen Inbrandsetzung der Synagoge in Hamm, Revision vom Bundesgerichtshof am 6.8.1953 verworfen (Vollstreckung vom Justizminister Becher am 14.6.1954 gegen Bewährung ausgesetzt, Strafe von der Staatsanwaltschaft Koblenz am 27.4.1959 im Gnadenweg erlassen). Aussage des Amtsbürgermeisters von Hamm vom 6.1.1954 im Begnadigungsverfahren: Ich glaube kaum, dass jemand dem Verurteilten hinsichtlich seiner ehem. Tätigkeit als Kreisleiter ein gutes Zeugnis ausstellen wird. --- [Daten übernommen aus: Maier, Franz: Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz. Mainz [u.a.] : Verlag v. Hase & Koehler, 2007. (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz ; 28)]. Venters Heirat fand am 14. März 1936 statt.
Quellen
  • Bundesarchiv Best. PK/S 22 Venter, OPG/J 61 Venter. - Landeshauptarchiv Koblenz Best. 584/1 Nr. 1304, Best. 856 Nr. 21130. - Dorfey, Beate: "Goldfasane" oder Hoheitsträger der Kreise? Die Kreisleiter im Gau Koblenz-Trier, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 29, 2003, S. 297-424. - Lilla, Joachim (Bearb.): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924, Düsseldorf 2004
  • Sterbedatum und -ort mitgeteilt von Herrn Blohm, Helmenzen, nach Auskunft des Standesamts Meisenheim a.d. Glan; Heiratsdatum vgl. Altenkirchener Zeitung Nr. 64, 16.03.1936.
GND-Nr. 105118634X
Zitierlink http://www.rppd-rlp.de/pkc0315
Zuletzt bearbeitet:08.03.2016
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über: Venter, Karl August / 1899-1974
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