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Kelchner, Heinrich / 1900-
Geburtsdatum17.01.1900
GeburtsortLudwigshafen am Rhein
Sterbedatumunbekannt
Sterbeortunbekannt
FachgebietePolitiker und historische Persönlichkeiten
Biogramm Herkunft: Sohn des Schreiners Andreas Kelchner. - Familienstand: verheiratet seit 1925 mit Amalie Sauer aus Bellheim. - Religion: evangelisch, Kirchenaustritt nach 1933. - Ausbildung: 1914-1916 Schlosserlehre bei der BASF in Ludwigshafen; 1916-Sept. 1921 Ingenieurschule in Mannheim, ermöglicht durch "eisernen Fleiß" und mehrere Stipendien, auch Erteilung von Musikunterricht und Tätigkeit als Kaffeehausgeiger (großes musikalisches Talent, musiziert vor 1932 auch im Arbeiter-Gesangverein Oppau-Edigheim, gibt 1932/33 einige Male Konzerte in der Evangelischen Kirche in Bellheim); Juni-Nov. 1918 Teilnahme am 1. Weltkrieg (50% kriegsbeschädigt); Nov. 1918-Mai 1919 Konstrukteur bei der BASF, danach beim Institut Sigmund in Mannheim Ausbildung zur Real-Abschlussprüfung, die er Juli/Aug. 1920 in Karlsruhe ablegt; Aug./Sept. 1921 Abschlussprüfung an der Ingenieurschule Mannheim mit bestem Erfolg als jüngster Teilnehmer; ab 1921 neben der Berufstätigkeit Studium der französischen (1922 Diplom) und englischen Sprache, Mathematik und Chemie; 1924-1928 Handelshochschule in Mannheim (neben der beruflichen Tätigkeit). - Beruf: seit 15.9.1921 Ingenieur bei den Pfalzwerken; 1924-1930 wegen seiner sehr guten Französisch-Kenntnisse (die Großmutter mütterlicherseits stammte aus der welschen Schweiz) Geschäftsträger zwischen den Pfalzwerken und den französischen Besatzungsbehörden (nach 1930 deswegen angefeindet, angeblich deshalb Beitritt zur NSDAP); 26.5.1925 Umzug von Ludwigshafen nach Bellheim; 24.7.1939 Einziehung zur Wehrmacht (Brückenwach-Kompanie 15 in Germersheim); Nov. 1939 Berufung in den engeren Mitarbeiterstab von Todt (Generalbevollmächtigter für die Regelung der Bauwirtschaft); Feb. 1940 Wehrkreisbeauftragter XII des Generalinspekteurs für Sonderaufgaben im Vierteljahresplan; April 1941 Wehrkreisbeauftragter XII des Reichsministers für Bewaffnung und Munition; Juli 1941 Leiter der Arbeitsgemeinschaft des Planungsbezirks 15 beim Generalinspekteur für die deutsche Energiewirtschaft; seit Juli 1941 Oberingenieur und Prokurist bei den Pfalzwerken; Aug. 1941 nach Übernahme der Energieversorgung Lothringens durch die Pfalzwerke (jetzt "Westmarkwerke") als Betriebsleiter nach Metz versetzt; Aug. 1943 Vorstandsmitglied der Westmarkwerke (auf Vorschlag des Generaldirektors Bayer, zunächst Einspruch, dann Zustimmung des Gauleiters Bürckel); 8.2.1944 in seiner Eigenschaft als Direktor und Vorstandsmitglied der Pfalzwerke zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. NSDAP: 1930 zweiter Platz auf der Liste der NSBO für die Betriebsratswahlen bei den Pfalzwerken; Juli 1931 Eintritt in die NSBO; Nov. 1931-13.7.1936 Betriebszellenobmann der NSBO bei den Pfalzwerken; März 1932 Eintritt in die NSDAP (Nr. 1120154); Kreisschulungswalter der DAF; März 1934-19.1.1938 Kreisschulungsleiter der NSDAP und Kreisfachberater für Technik; Gauschulungsobmann beim NSBDT, Kreisamtsleiter für Siedlungswesen; Juni 1934-April 1936 politischer Lehrer an der Gauführerschule in Annweiler (Entfernung wegen "franzosenfreundlicher Einstellung"); Jan. 1935 Eintritt in die SS (z.b.V.); Nov. 1935-Juli 1936 Gaugerichtsverfahren wegen angeblich frankophiler Einstellung (Landesverrat), eingestellt (anlässlich einer ersten Rechtfertigung wegen dieser Anklage vor der Kreisleitung Ludwigshafen im Jahr 1934 hatte Kelchner aus Angst seine französische Bibliothek und sein Französisch-Diplom vernichtet); 1935-1938 Hauptstellenleiter im Gauamt für Technik des Gaus Saarpfalz, Sachbearbeiter für Energiewirtschaft; Juni 1938-1945 (offiziell ab Frühjahr 1943) Leiter des Gauamts für Technik des Gaus Saarpfalz (ab 1940 Westmark); Aug. 1941 militärischer und politisch-polizeilicher Verbindungsmann bei den Westmarkwerken in Metz; Sept. (wohl 23.9.) 1944 nach offenen Aussprüchen bei einer Sitzung (Ausheben von Panzergräben durch Leute aus den Betrieben usw. sei "purer Blödsinn") von Gauleiter Bürckel in Neustadt wegen politischer Unzuverlässigkeit und franzosenfreundlicher Einstellung "in tobsuchtsähnlichem Schreiton" mit der Einweisung ins KZ bedroht, kann jedoch aus dem Büro fliehen, während Bürckel die Gestapo antelefoniert. versteckt sich einige Tage bei Freunden, bis er durch den Tod Bürckels gerettet wird; Feb. 1945 verhindert Kelchner die befohlene Sprengung der lothringischen und saarländischen Kraftwerke. Nachkriegszeit: 1945-29.3.1947 Internierung in Moosburg, Dachau und Hammelburg (wegen Krankheit entlassen), danach vorübergehend wohnhaft in Zirndorf; 19.8.1948 Säuberungsurteil der Spruchkammer des Landkreises Fürth: Minderbelasteter (Urteil durch den Minister für politische Befreiung in Bayern aufgehoben und Sache an den Landeskommissar für politische Säuberung in Koblenz abgegeben); 13.2.1950 Säuberungsurteil der Spruchkammer Neustadt: Minderbelasteter. 70% schwerbeschädigt (1918 mit 50% Erwerbsminderung vom Militär entlassen, drei schwere berufsbedingte Autounfälle 1938, 1941 und 1944, zwei Schädelbrüche). Kelchner distanzierte sich nach eigener Darstellung bereits ab 1935 von der NS-Ideologie, wurde jedoch durch seine Vorgesetzten Todt und Speer gedeckt, die im Gegensatz zu Gauleiter Bürckel standen; in Lothringen genoss er die Sympathie der Bevölkerung und nahm sich auch politisch Verfolgter an. --- [Daten übernommen aus: Maier, Franz: Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz. Mainz [u.a.] : Verlag v. Hase & Koehler, 2007. (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz ; 28)]
Quellen
  • Bundesarchiv Best. NS 51 Nr. 210. - Landesarchiv Speyer Best. H 37 Nr. 1911, H 91 Nr. 11725, Nr. 25930, Nr. 26499, Best. R 18 Nr. A 36089. -
Weitere Informationen
GND-Nr. 1051184266
Zitierlink http://www.rppd-rlp.de/pkc0160
Zuletzt bearbeitet:30.06.2009

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