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[Bild: Trierer Porträtdatenbank]
Simon, Ludwig / 1819-1872
Andere NamensformenTrier, Ludwig von [Pseud.]
Geburtsdatum20.02.1819
GeburtsortSaarlouis
Sterbedatum02.02.1872 [⇒ 2022 - 150. Todestag]
SterbeortMontreux
Berufe/ StellungenJurist
FachgebieteRecht
Werke (Auswahl)Briefe v. S (Kopien) in der Kantonalsbibl. St. Gallen im Nachlaß W. Näf (Sammlung Vadiana) ; Entstehung und Unterschiede der beiden Wahlprogramme in Trier, Trier 1848 ; Ein Wort des Rechts für alle Reichsverfassungskämpfer. An die deutschen Geschworenen, Frankfurt a.M. 1849 ; Aus dem Exil, 2 Bde, Gießen 1855 ; Leben und Wirken Sr. Majestät Friedrich Wilhelm IV., König v. Preußen. Reden und Trinksprüche Sr. M., Leipzig 1855 ; So sprach der König .., Stuttgart 1861 ; Meine Desertion. Ein Zeitbild im Rahmen des preuss. Gottesgnadentums, Frankfurt a.M. 1862 ; Elsaß-Lothringen. Über das internationale und öffentl. Recht. Bericht auf dem 5. Friedenskongreß in Lausanne am 29.09.1871 (deutsch und französ), Bern/Lausanne/Paris 1871
Biogramm 1z1Seit 1822 in Trier-St. Paulin lebend, besuchte S 1829-1836 das Gymnasium in Trier. Nach dem Abitur Studium der Rechts- u Kameralwissenschaften in Bonn bis 1839. Militärdienst in Bonn u Trier, 1845 Leutnant der Landwehr - Auskultator am Landgericht Trier, 1844-1847 Referendar, Januar 1848 Assessorexamen, Advokat - S war polit geprägt durch den Vater Thomas S u den Staatsprokurator Josef Schornbaum (den Kopf der Trierer "Umsturzpartei"), die Not des Landes, die TZ u die eigenen Sozialismusstudien (Proudhon). Die Revolution 1848/49 wurde zum Höhepunkt in S's Leben. Zunächst Adjutant der Trierer Bürgerwehr legte er am 10. April 1848 eine Protestadresse an den König vor, in der allgemeine Wahlen gefordert wurden. Seine Rednergabe machte ihn geradezu zum Volkstribun. Sein "Volksprogramm" wurde eine Grundlage des Wahlkampfs im Trierer Raum für die Wahl der deutschen Nationalversammlung. Gefordert wurde die Lösung der sozialen Frage, die Unterordnung der Fürsten u Einzelstaaten unter einen Reichstag u die Neuordnung der Länder in einem deutschen Bundesstaat. Mit großer Mehrheit wurde S am 10. Mai 1848 in Trier-Stadt u Land zum MdFN gewählt. In der Nationalversamlung wurde er Mitgründer der (äußerst linken) Fraktion Donnersberg. Er hielt 26 große Reden in der Nationalversammlung. Die Grundrechtsdebatte sah S als einen der wenigen Befürworter der progressiven Einkommens-steuer, des Rechts auf Arbeit u des allgemeinen gleichen Wahlrechts. Seine laizistische Auffassung in der Kirchen- u Schulfrage erregte in Trier Streit unter den Demokraten. Bis zuletzt forderte er die Durchführung der Reichsverfassung, rief zur Aufstellung einer Volkswehr auf, forderte die Unterstützung der Volksaufstände u Bildung einer Reichsregentschaft. Als Reichskommissar im Schwarzwald bemühte er sich vergebl um Unterstützung des Volksheeres. Anfang Juli 1849 emigrierte er in die Schweiz
Alternatives o. ergänzendes Biogramm Die preuß Reaktion verfolgte S in Abwesenheit mit drei Prozessen. Angeklagt wegen angebl Renitenz gegen den Berliner Abberufungsbefehl wurde er in zwei Instanzen freigesprochen. Ein Militärgericht verurteilte ihn wegen angebl Desertion zur Höchststrafe v 1000 Talern u Festungshaft. Die Assisen-Berufsrichter verurteilten ihn wegen angebl Hochverrats zum Tode; das Urteil wurde am 16. Januar 1852 symbolisch auf dem Trierer Hauptmarkt vollstreckt. - Nachdem seine Versuche, in der Schweiz als Jurist tätig zu sein, gescheitert waren, blieb ihm nur noch die journalistische Arbeit. In der "Deutschen Monatsschrift" legte er eine Analyse der gescheiterten Revolution vor, rechnete mit den Liberalen ab, erteilte dem revolutionären Sozialismus v Karl Marx u Friedrich Engels eine Absage u entschied sich für Parlamentarismus u allgemeines Wahlrecht. - 1853-1855 weilte S zur Rekonvaleszenz in Oberitalien, wo er seine Exilerinnerungen u eine Persiflage auf Friedrich Wilhelm IV. verfaßte. - 1855 Übersiedlung nach Paris, Anstellung im Bankhaus Königswarter, 1859 Prokurist, 1867 Eröffnung eines eigenen Bankgeschäfts - In Paris betätigte er sich im Deutschen Turnverein, ferner Mitarbeit an den "Demokratischen Studien" (1860/61), an der Frankfurter Zeitung (bis 1867) u dem Stuttgarter "Beobachter" - Die ersehnte Heimkehr wurde nicht mögl, weil die Amnestie v 1861 auf ihn als Landwehroffizier nicht angewandt wurde. 1871 engagierte er sich für Verständigung mit Frankreich u künftige "Vereinigte Staaten v Europa". Für Elsaß-Lothringen forderte er das Selbstbestimmungsrecht. - 1870 verzog S nach Verkauf seiner Bank in die Schweiz. In Montreux waren ihm nach Heirat u Geburt der Tochter Friederike noch zwei glückl Jahre vergönnt. Er starb an den Folgen seines alten Magenleidens. Begraben wurde er auf dem Bergfriedhof Montreux-Clarens. In Trier sind eine Straße u eine Realschule nach S benannt. *Heirat: 1870 mit Marie Schmidlin. - --- [Daten übernommen aus: Heinz-Günther Böse, in: Monz, Heinz (Hrsg.): Trierer Biographisches Lexikon. - Trier : Wissenschaftlicher Verlag, 2000. - ISBN 3-88476-400-4]
Quellen
  • Allgemeine Deutsche Biographie, 55 Bde., Berlin 1875 ff, Band 34, 377 f.
  • Heinrich Best, Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Düsseldorf 1996, 320 f.
  • Heinz-Günther Böse: Ludwig S v. Trier. Leben und Anschauungen eines rhein. Achtundvierzigers, philos. Dissertation Mainz 1951
  • Ders: Ludwig S, in: Revolution 1848/49, 142-157
  • Ders: Vor hundert Jahren starb im Exil Ludwig S v. Trier, in: Neues Trierisches Jahrbuch, 1961 ff, 1972, 37-48
  • Gunther Hildebrand: Ludwig S, in: Männer der Revolution, hrsg. v. Karl Obermann u.a., Berlin 21988, Band 1, 320-343
  • Christian Jansen: Ludwig S, Arnold Ruge und Friedrich Wilhelm IV., in: Christian Jansen/Thomas Mergel (Hrsg.): Die Revolution v. 1848/49, Göttingen 1998, 225-246
  • Max Moser: Der Fortschrittsglaube Ludwig Simons, in: Berner Untersuchungen zur neueren Geschichte 9/1936, 129-144
  • Max Schwarz: Mitglied des Reichstages Biographisches Handbuch der Reichstage, Hannover 1965, 100.
  • *Abbildungen: bei Heinz-Günther Böse: Köpfe der Revolution von 1848/49 in Trier und im Trierer Raum, in: "Der schlimmste Punkt der Provinz". Demokratische Revolution 1848/49 in Trier und Umgebung, hg. v. Elisabeth Dühr, Trier 1998, 136-216, 146 und im Simeonstift
Weitere Informationen
GND-Nr. 117393991
Zitierlink http://www.rppd-rlp.de/pta1237
Zuletzt bearbeitet:11.07.2006

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