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Langgässer, Elisabeth / 1899-1950
Andere NamensformenHoffmann, Elisabeth / 1899-1950 [Ehename]
Geburtsdatum23.02.1899 [⇒ 2024 - 125. Geburtstag]
GeburtsortAlzey
Sterbedatum25.07.1950 [⇒ 2025 - 75. Todestag]
SterbeortKarlsruhe
WirkungsorteDarmstadt ; Mainz ; Berlin ; Rheinzabern
Berufe/ StellungenSchriftstellerin ; Lehrerin
FachgebieteSchreiben. Dichtung ; Bildung. Erziehung
Werke (Auswahl)Der Wendekreis des Lammes, 1924 ; Triptychon des Teufels, 1932 ; Proserpina, 1933 ; Die Tierkreisgedichte, 1935 ; Gang durch das Ried, 1936 ; Rettung am Rhein, 1938 ; Das unauslöschliche Siegel, 1946 ; Der Laubmann und die Rose, 1947 ; Märkische Argonautenfahrt, 1950
Biogramm Geboren als Tochter des zum Katholizismus konvertierten jüdischen Baurats Eduard Langgässer und seiner streng katholischen Frau wächst sie zunächst in Mainz auf; 1909 Umzug mit der verwitweten Mutter nach Darmstadt; Abitur und Ausbildung zur Volksschullehrerin; Unterricht in Seligenstadt, Steinheim am Main, Mainz und Griesheim; 1926 Theaterkritikerin für die Rhein-Mainische Volkszeitung in Frankfurt am Main; 1928 als ledige Mutter - Vater war der verheiratete jüdische Staatswissenschaftler Hermann Heller - Entlassung aus dem Schuldienst; 1929 nach der Geburt der Tochter Cordelia in München Pädagogik-Dozentin an der Sozialen Frauenschule "Anna von Gierke" in Berlin bis 1930; 1933 sieben Hörspiele für die "Funk-Stunde Berlin"; heiratete 1935 den katholischen Philosophen Wilhelm Hoffmann, mit dem zusammen sie drei weitere Töchter hatte; 1936 Ausschluß aus der Reichsschrifttumskammer; ab 1942 Arbeit in Munitionsfabrik und ab 1944 Zwangsarbeit trotz erster Schübe Multipler Sklerose; 1946 erfährt sie, daß Cordelia nach einem Jahr in Theresienstadt und Auschwitz den Holocaust in Schweden überlebt hat; 1948 Umzug nach Rheinzabern, da ihr Mann am Dolmetscherinstitut in Germersheim als Dozent tätig wurde; 1950 Mitglied der Akademie für Literatur und Wissenschaft in Mainz, des P.E.N. und der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, posthum Georg-Büchner-Preis; in Karlsruher Krankenhaus verstorben, begraben auf dem Alten Friedhof in Darmstadt; seit 1988 wird alle drei Jahre der Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis der Stadt Alzey verliehen; zu ihrem Werk zählen neben Hörspielen auch drei Theaterstücke und mehrere Romane, viele Erzählungen und Kurzgeschichten sowie christliche Natur- und Mysteriengedichte von großer Bilderfülle; im Mittelpunkt steht die "Metamorphose zur christlichen Existenz" (W. Hoffmann), der Mensch in seinem Ringen zwischen Unheil und Heil in göttlicher Gnade.
Alternatives o. ergänzendes Biogramm [Beziehung zu Mainz:] Ihre Eltern stammten aus Mainz. Sie selbst war in Mainz einige Zeit als Lehrerin tätig. 1925 veröffentlichte sie ein Bändchen religiöser Gedichte. 1938 erschien die 3-teilige Novelle "Rettung am Rhein", von der ein Teil vom Dom während dessen Restaurierung 1924-28 handelt. Obwohl Katholikin, galt sie bei den Nazis als Halbjüdin und erhielt ab 1938 Schreibverbot. Während des erzwungenen Schweigens entstand der Roman "Das unauslöschliche Siegel", der 1946 erschien (s. auch "Elisabeth-Langgässer-Str." in Hechtsheim). Grab: Darmstadt. --- [Text übernommen aus: Huber, Wilhelm: Das Mainz-Lexikon. - Mainz : Schmidt, 2002. - ISBN 3-87439-600-2]
Alternatives o. ergänzendes Biogramm Ihr halbes Leben verbrachte die Lyrikerin und Schriftstellerin Elisabeth Langgässer in Berlin. Als Halbjüdin während der NS-Zeit mit Schreibverbot belegt, galt ihr Werk "Das unauslöschliche Siegel" 1947 als Inbegriff auch des dichterischen Neubeginns. Der Roman katapultierte die Autorin für kurze Zeit in den Mittelpunkt des literarischen Nachkriegsdeutschlands. Elisabeth Langgässer wurde 1899 in Alzey geboren. Nach dem frühen Tod des jüdischen Vaters ging sie mit ihrer Mutter Eugenie und ihrem älteren Bruder Heinrich nach Darmstadt und absolvierte dort das Lehrerinnenseminar. Die junge Frau arbeitete als Volksschullehrerin und unternahm nicht nur erste literarische Gehversuche. Sie begann eine Liaison mit dem jüdischen Staatsrechtler Hermann Heller, die nicht ohne Folgen blieb: 1929 wurde Tochter Cordelia unehelich geboren. Die allein erziehende Mutter wurde aus dem Staatsdienst entlassen, verließ die Provinz und ging nach Berlin zu Mutter und Bruder. Sie fand eine Anstellung als Sozialpädagogin in der von Alice Salomon gegründeten Sozialen Frauenschule in Berlin-Schöneberg. Vermutlich nahm Langgässer die Straßenbahnlinie 95 Schöneberg - Köpenick zu ihrer Wohnung an der heutigen seelenbinderstraße. Dort, unweit des Bahnhofs, tobte im Juli 1933 die "Köpenicker Blutwoche". Langgässer findet Arbeit im Berliner Rundfunk und lernt dort den katholischen Philosophen Wilhelm Hoffmann kennen. Beide heirateten 1935. Als Schriftstellerin veröffentlichte Elisabeth Langgässer ein umfangreiches Werk, das ihr katholisch-spirituelles Weltbild widerspiegelt, ein stetes Ringen zwischen Gott und Teufel, zwischen Gut und Böse. Für den Roman "Proserpina" erhielt sie 1931 den Literaturpreis des Deutschen Staatsbürgerinnenverbandes. Gertrud Bäumer, Alfred Döblin und Rudolf Kayser gehörten zu den Juroren. Während des Publikationsverbotes schrieb sie für die Schublade und verfasste Werbetexte. Das Ehepaar wohnte nun in Charlottenburg. Ihr Haus am eichkatzweg 33 gehört zur Siedlung Eichkamp, eine Kolonie für Angestellte und Beamte neben der AVUS. Die Töchter Annette, Barbara und Franziska wurden geboren. Hatte sich die Schriftstellerin durch ihre Heirat weitgehend der Rassengesetzgebung entzogen, bekam Cordelia, von den Nazis als "Volljüdin" eingestuft, Probleme. 1941 musste sie ihre Familie verlassen und den Judenstern tragen. Schließlich wird sie im Beisein der Mutter von der Gestapo genötigt, ein Papier zu unterzeichnen, das ihrem Todesurteil gleichkam. Sie wurde 1943 deportiert, überlebte Auschwitz. Ihre Mutter sah sie 1949 nur noch ein Mal wieder. Da stand Elisabeth Langgässer auf dem Zenith ihres schriftstellerischen Schaffens. Dankbar begrüßte das Publikum die Schriftstellerin als Vertreterin eines religiösen und zugleich unpolitischen Humanismus. Sie versöhnte die literarische Welt, indem sie das theologische Erklärungsmuster von Sündenfall, Erlösung und Gnade als eigentliche Ursache für die Verbrechen des Nationalsozialismus beschrieb. Auch Thomas Mann applaudierte. 1948 verließ die Familie Berlin und zog nach Rheinzabern. Die Multiple-Sklerose-Erkrankung der Schriftstellerin schritt voran, Elisabeth Langgässer starb 1950. "Unsicher sah die Tochter die Mutter an, und ihr Blick traf auf eine weiße Maske, 27 worin der allzu rote Mund wie eine Wunde glühte. Von der Mutter war im Augenblick keine Unterstützung zu erwarten, das wurde dem Mädchen sofort klar" ... schreibt Cordelia in ihren Erinnerungen. --- [Biographie übernommen aus: Rheinland-Pfälzer in Berlin : Frauen und Männer aus unserem Land und ihre Wirkungsstätten in Berlin / [Texte: Anna Köbberling ... ]. 5., erw. Aufl. Berlin : Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund der Europäischen Union, 2011]
Quellen
  • Rheinland-Pfälzerinnen. Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz, 2001, S. 276-278
  • Carl, Viktor: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten. - 3., überarb. Aufl. - Edenkoben, 2004. - S.505
Quellen (WWW)
Weitere Informationen
GND-Nr. 11856949X
Zitierlink http://www.rppd-rlp.de/ps02666
Zuletzt bearbeitet:26.01.2015

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