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Seghers, Anna / 1900-1983
Andere NamensformenRadványi, Netty [Wirkl. Name] ; Reiling, Netty [Früherer Name]
Geburtsdatum19.11.1900
GeburtsortMainz
Sterbedatum01.06.1983
SterbeortBerlin
Berufe/ StellungenSchriftstellerin
FachgebieteSchreiben. Dichtung
Beziehungen (Link)Cahn, Meta / 1889-1918;
Werke (Auswahl)Die Toten auf der Insel Djal, 1924 ; Grubetsch, 1927 ; Der Aufstand der Fischer von St. Barbara, 1928 ; Das siebte Kreuz ; Transit
Biogramm Studierte in Heidelberg und Köln Kunstgeschichte, Geschichte und Sinologie; 1928 schloss sie sich der Kommunistischen Partei und dem Bund Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller an; 1933-1947 Emigration nach Frankreich, USA und Mexiko; auch im Exil führte sie den Kampf gegen das nationalsozialistische Regime fort; neben der Herausgabe der "Neuen Deutschen Blätter" und der Zeitschrift "Freies Deutschland" verarbeitete sie vor allem in Erzählungen und Romanen ihre rfahrungen mit Hitlerdeutschland und dem Exil; nach der deutschen Kapitulation kehrte sie nach Deutschland zurück; von 1952 bis 1978 war sie Präsidentin des Schriftstellerverbandes; mehrfache Preisträgerin des DDR-Nationalpreises; 1928 wurde sie mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet; 1981 wurde ihr die Ehrenbürgerwürde der Stadt Mainz verliehen.
Alternatives o. ergänzendes Biogramm [Beziehung zu Mainz:] Am Geburtshaus Parcusstr. 5 befindet sich seit 1. 6. 1984 eine Gedenktafel. Sie wohnte später Kaiserstr. 34 1/10 und besuchte die Höhere Töchterschule. Die Eltern hatten ein Antiquitätengeschäft am Flachsmarkt 10 5/10. - Sie wurde am 28. 10. 1981 Mainzer Ehrenbürgerin (s. auch Öffentl. Bücherei - Anna Seghers). Grab: Berlin. --- [Text übernommen aus: Huber, Wilhelm: Das Mainz-Lexikon. - Mainz : Schmidt, 2002. - ISBN 3-87439-600-2]
Alternatives o. ergänzendes Biogramm Seghers war das ab 1928 benutzte Pseudonym der Schriftstellerin Netty Radvanyi, die als einzige Tochter des wohlhabenden jüdischen Kunsthistorikers und Antiquitätenhändlers Isidor Reiling 1900 in Mainz geboren wurde. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Sinologie promovierte sie 1924 in Heidelberg zum Dr. phil., 1925 heiratete sie den ungarischen Soziologen und Schriftsteller Lazlo Radvanji. Als freie Schriftstellerin lebte Anna Seghers in Berlin. Ihre ersten literarischen Arbeiten veröffentlichte sie 1927 in der "Frankfurter Zeitung". 1928 trat sie der Kommunistischen Partei bei. Im gleichen Jahr wurde sie für ihre Erzählung "Der Aufstand der Fischer von St. Barbara" mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. Der Nationalsozialismus zwang Anna Seghers zur Flucht. Ihre Werke wurden verboten und verbrannt. Zunächst ging sie nach Paris, wo 1939 ihr Mann verhaftet wurde und sie mit den beiden kleinen Kindern zurücklassen musste. Als sich die deutschen Truppen 1940 Paris näherten, konnte sie über Marseille nach Mexiko fliehen. Im Exil schrieb sie ihre beiden bedeutendsten Romane: "Das siebte Kreuz" (1942) und "Transit" (1944). 1947 kehrte die Autorin nach Berlin in die sowjetisch besetzte Zone zurück, wo sie von Freunden und Kampfgefährten erwartet wurde. Dort wurde sie Vizepräsidentin des "Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands", vertrat die DDR auf zahlreichen Friedenskongressen und war von 1950 bis 1978 Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. Als Seghers am 1. Juni 1983 nach längerer Krankheit starb und auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der chausseestraße beigesetzt wurde, erwiesen ihr die gesamte politische Prominenz der DDR und zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland die letzte Ehre. Zu den größten Tragödien dieses literarischen Talents gehörte die 1934 proklamierte Kunstdoktrin des "Sozialistischen Realismus". Auch wenn Anna Seghers an der fundamentalen These, nach der Literatur parteilich zu sein hatte, nicht zweifelte, litt sie doch unter der parteiamtlichen Ablehnung jeglicher formaler Experimente. Auf dem Schriftsteller-Kongress im Tauwetterjahr 1956 warnte sie noch: "Die scholastische Schreibart ist Gift, wie marxistisch sie sich auch gebärdet. ( ... ) Denn sie bewirkt Erstarrung statt Bewegung, sie bewirkt Faulheit statt Initiative. Keine Erregung erschüttert den Leser solcher Bücher. Mit Nachdenken braucht er sich gar nicht erst anzustrengen. Er kennt ja das Schema, nach dem das Buch montiert ist, so gut wie der Autor." Anna Seghers: "Die große Veränderung und unsere Literatur" Dennoch bescheinigte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki der Autorin, nach Gründung der DDR nur noch didaktische Geschichten auf niedrigstem Niveau geschrieben zu haben. Insbesondere ihr Roman "Die Entscheidung" von 1959 dokumentiere den "Zusammenbruch eines großen Talents, die vollkommene Kapitulation einer Schriftstellerin". Sie, die Jahrzehnte um die Synthese von epischer Kunst und kommunistischer Ideologie gekämpft habe, sei dem Dogma der "scholastischen Schreibart" zum Opfer gefallen. (Reich-Ranicki "Deutsche Literatur in Ost und West") --- [Biographie übernommen aus: Rheinland-Pfälzer in Berlin : Frauen und Männer aus unserem Land und ihre Wirkungsstätten in Berlin / [Texte: Anna Köbberling ... ]. 5., erw. Aufl. Berlin : Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund der Europäischen Union, 2011]
Quellen
  • Rheinland-Pfalz, deutsches Kernland, 2006
Weitere Informationen
GND-Nr. 118612743
Zitierlink http://www.rppd-rlp.de/pk01907
Zuletzt bearbeitet:16.05.2007

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